Women and Gender Constituency zur COP26

The power is with us: COP26 lässt Menschen und den Planeten im Stich

Glasgow, Schottland – nach zwei Wochen bei einer Klimakonferenz, die Menschen von der Teilnahme ausgeschlossen hat, kaum zugänglich und höchst ungerecht war, haben es die Staaten nicht geschafft, die Dringlichkeit der Klimakrise in Taten umzuwandeln. Mit einem Pressespektakel versuchten die Staaten so zu tun, als würden sie ehrgeizige handeln, doch im schlussendlich verabschiedeten Text herrscht eine falsche und schädlich Rhetorik vor. Wieder einmal wurde es völlig versäumt, sich zum wichtigen Thema der Finanzierung von Schäden und Verlusten zu verpflichten,- was eine zentrale Forderung sowie Dreh- und Angelpunkt für die vom Klimawandel bedrohten Länder und Gemeinschaften war. Stattdessen wurde starr an einem gefährlichen Mechanismus für den C02-Ausgleich festgehalten, der Menschenrechte ungeschützt lässt und den grünen Kolonialismus weiter ausweitet.

Die Anerkennung des schrittweisen Abbaus von ineffizienten Subventionen für Kohle und fossile Brennstoffe ist in diesem Prozess längst überfällig, und selbst diese Verpflichtung wurde schwach formuliert. Echte Maßnahmen vonseiten der Industrieländer, um den vollständigen Ausstieg aus Öl und Gas zu gewährleisten, fehlen weiterhin. In Hinblick auf diese Texte und die öffentliche Aufmerksamkeit für globale staatliche Übereinkommen wissen wir, dass wir uns nur auf eines verlassen können: auf die Kraft unserer Bewegung, um die fossilen Konzerne zur Verantwortung zu ziehen. Feministische Aktivist*innen und Mitglieder der Women & Gender Constituency werden weiterhin die notwendigen Veränderung einfordern, falsche Lösungen anprangern und den Weg ebnen zu der Welt, die wir brauchen.

Die ungerechten Zugangs- und Teilnahmemöglichkeiten der COP spiegelten sich in den Verhandlungen wieder, die von sozialer Ungleichheit, patriarchalen Strukturen und white supremacy geprägt waren. Die Teilnahme an der COP stellte nämlich für viele Feminist*innen und Aktivist*innen eine unüberwindbare Barriere dar. Wanun Permpibul, Mitglied der APWLD und Geschäftsführerin von Climate Watch Thailand, meinte dazu: „Der Ausschluss von selbstorganisierten Frauen aus Asien und dem Pazifikraum hat sie der Möglichkeit beraubt, echte Maßnahmen zu fordern und Rechenschaft für falsche Klimalösungen zu verlangen. Diese falschen Lösungen wurden auf der COP26 weiterhin verstärkt. Damit lenken sie nicht nur das Problem der Klimakrise in eine falsche Richtung, sondern stützen auch die Unterdrückung von Frauen durch Militarisierung, Fundamentalismus und Patriarchat und stärken autoritäre Regierungen.“

Viele Stimmen fehlten auf der COP und dementsprechend groß war das Machtungleichgewicht bei den Verhandlungen. Mwanahamisi Singano (FEMNET) erläuterte: „Als Feminist*innen, als afrikanische Feminist*innen, indigene Völker und Anführer*innen stehen wir seit jeher im Zentrum des Widerstands. Wir kommen Jahr für Jahr mit Lösungen zu dieser COP – Lösungen, die nachhaltig sind, Lösungen, die die Ernährungssouveränität in den Mittelpunkt stellen, und Lösungen, die ein Verständnis für unsere wechselseitige Beziehung zu Land und Ökosystemen verkörpern. Jahr für Jahr werden aber Großkonzerne und ‚Business as usual‘ vorgezogen, die nichts als heiße Luft versprechen.“

Die Fortschritte in Bezug auf Menschenrechten und Umweltschutz sind beschämend und lassen erhebliche Fragen über die Einflussnahme von Unternehmen sowie über Menschenrechtsverletzungen offen. Gina Cortés Valderrama (Women Engage for a Common Future) äußerte sich sehr besorgt über die Diskussionen um Artikel 6 und CO2-Märke: „Ich fürchte, dass diese COP die Gefahren für Umwelt- und Menschenrechtsverteidiger*innen noch vergrößert. Wir brauchten die COP26, um echte Klimalösungen voranzubringen, die eine sofortige Reduzierung der Treibhausgasemissionen bewirken, und nicht ‚falsche‘ Lösungen, die zu Landraub von Bäuerinnen, Nachfahren der afrikanischen Diaspora und indigenen Völkern führen. Stattdessen fließen durch die Ergebnisse der COP weiterhin Milliarden öffentlicher Steuergelder in die fossile Industrie, in Baumplantagen-Monokulturen, in die Atomindustrie und in Geoengineering, anstatt einen gerechten Übergang zu finanzieren.“

Bridget Burns (WEDO-Direktorin und Co-Focal Point der Women and Gender Constituency) hob die Versäumnisse und Ungerechtigkeiten dieser COP hervor: „Was wir in Glasgow gesehen haben, war eine PR Parade und ein politisches Versagen. Die Industrieländer haben von Dringlichkeit und von Klimagerechtigkeit geredet, dabei aber eine schwache Rhetorik in die Verhandlungen eingebracht und eine Blockadehaltung eingenommen, die den am meisten gefährdeten Ländern und Völkern schadet. Es ist ein Verrat an der globalen Solidarität, wenn Entwicklungsländer aufgefordert werden, sich bei der Frage nach Schäden und Verlusten mit einem ‚Anfang‘ im Prozess zufrieden zu geben, obwohl so viele von ihnen bereits jetzt mit realen und katastrophalen Auswirkungen konfrontiert sind. Der Lichtblick ist wie immer die Kraft der Menschen und der feministischen Organisierung. Eine mutigere, tapfere und noch engagiertere Bewegung für Klimagerechtigkeit wird die von uns angestrebten Veränderungen hervorbringen. People power, climate justice„.

Auch wenn eine Entscheidung zum Punkt Gender in der Agenda getroffen wurde, handelt es sich, wie Gotelind Alber von GenderCC-Women for Climate Justice betont, um eine verfahrenstechnische Entscheidung, die weit davon entfernt ist, geschlechtergerechte Klimamaßnahmen zu fördern: „Die Formulierung zu Gender und Klimawandel hat leider keinen klaren Weg zu geschlechtergerechten Maßnahmen, einschließlich Klimaschutz und Anpassungen an den Klimawandel, definiert. Wir müssen das enorme Potenzial für eine effektivere und geschlechtergerechte Politik durch Gender-Analysen und Bewertungen der geschlechtsspezifischen Auswirkungen geplanter Maßnahmen erschließen, um die soziale und geschlechtsspezifische Gleichstellung zu fördern, anstatt Ungleichheiten zu verschärfen.“

Die Zivilgesellschaft und die feministischen Bewegungen wissen, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als sich weiterhin für klare Handlungen und für dringend gebrauchte Gerechtigkeit einzusetzen. Wir werden uns weiterhin gemeinsam für die Menschen und den Planeten einsetzen. Marie Christina Kolo (Klimanetzwerk Indischer Ozean – Madagaskar) sagte: „Zum ersten Mal habe ich gesehen, dass das Leid und die Not meines Volkes auf eine internationale Ebene gehoben wurde. Ich war naiv zu glauben, dass unsere Notlage, in der sich auch andere Entwicklungsländern befinden, endlich beachtet und angehört wird und dass Lösungen gefunden werden, die Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte berücksichtigen. Ich dachte, die kollektiven Erfahrungen der Pandemie würden uns dazu bringen, einander zuzuhören, einander zu verstehen und uns zusammenzubringen. Diese Hoffnung wurde enttäuscht, doch wir werden weiter kämpfen, weil wir keine andere Wahl haben.“

Dazu ergänzen die Mitglieder des „Not Without Us!“ Projekts (Babitha PS, Dinda Yura, Farina Hoffmann, Greta Pallaver, Melissa Moreano, Ndivile Mokoena, Pat Bohland, Taily Terena): „Die fehlenden Stimmen auf der COP26 sowie der sehr begrenzte Zugang zu den Verhandlungen spiegeln sich deutlich in den erschreckenden Ergebnissen wider. Inklusive Beteiligung ist notwendig, um ambitionierte Entscheidungen zu erreichen und den Weg zu globaler Gerechtigkeit und zu einer geschlechtergerechten Transformation hin zu Null-Emissionen zu ebnen.“

Die Pressemitteilung im Original ist hier zu finden.