Eine modellhafte Erstausbildung für junge Frauen als Elektronikerin für Energie- und Gebäudetechnik

Das Modellprojekt StrOHMerin setzte in der männerdominierten Elektrobranche seit 1997 neue wichtige Akzente. Bereits die erste Generation der StrOHMerinnen überzeugte in den Gesellinnen-Prüfungen mit überdurchschnittlichen Leistungen.

Der Erfolg basierte auf einem innovativen Ausbildungskonzept: Orientierung auf neue Technologien in der Gebäudetechnik, spezielle Vertiefungen auf Energieeffizienz und Solartechnik mit externer Zertifizierung, moderne, auftragsorientierte Lernmethoden, Integration von Schlüsselqualifikationen und Umweltbildung, Praktika in Kooperation mit Berliner Firmen.

Seit 2005 wurden die neuen StrOHMerinnen als Elektronikerinnen für Energie- und Gebäudetechnik ausgebildet. Dieses neue Berufsbild wurde mit dem ehrgeizigen Curriculum bereits in den ersten Ausbildungsgängen vorweggenommen.

2009: 13 neue Gesellinnen für das Berliner Elektrohandwerk

Bilder von den StrOHMerinnen bei der Arbeit

Das Berliner Elektrohandwerk hat seit 2009 dreizehn weibliche Gesellen mehr. Wo sonst fast ausschließlich Männer in Gebäuden installieren, regeln, prüfen und Kabel ziehen, sind nun Frauen am Werk. Ihr besonderes Plus: Die Auszubildenden verfügen über Kenntnisse in der Solartechnik, Steuerungstechnik und Energieeffizienz. Jetzt wurden sie vor der Handwerkskammer abschließend geprüft. Alle 13 Kandidatinnen bestanden im ersten Anlauf und sind jetzt Elektronikerinnen für Energie- und Gebäudetechnik. Sie setzen damit die positive Bilanz des StrOHMerinnen-Ausbildungsprojekts mit überdurchschnittlichen Leistungen bei der Gesellinnen-Prüfung fort.

Constantin Rehlinger, Geschäftsführer der Elektro-Innung Berlin, war von den Leistungen der StrOHMerinnen begeistert: "Gratulation allen Junggesellinnen von LIFE e.V. von der Elektro-Innung Berlin. Ihr hundertprozentiger Prüfungserfolg stellt bei einer Durchfallquote von insgesamt etwa 40 Prozent ein super Ergebnis dar. Ein schöner Beweis für die Güte ihrer Ausbildung und für die Eignung von Frauen in den handwerklichen Elektroberufen."

Die Zukunftsaussichten der jungen Elektronikerinnen sind gut. Sechs von ihnen haben bereits konkrete Jobangebote bzw. einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Einige werden ein ingenieurwissenschaftliches Studium aufnehmen.

Für Dr. Barbara Schöler-Macher, Geschäftsführerin von LIFE e.V. war das ein gutes Signal: "Wir treffen mit unserem Ausbildungsprofil einer ressourcenschonenden Gebäudetechnik und der Nutzung der Solarenergie offensichtlich auf Bedarf in der Berliner Wirtschaft. Es bleibt mir aktuell nur zu wünschen, dass wir unsere Expertise in der Ausbildung weiblicher Fachkräfte in der Energie- und Gebäudetechnik weiterhin nutzbringend für die Berliner Wirtschaft und für Schulabsolventinnen einsetzen können."

Netzwerkarbeit

Qualität und Aktualität der Ausbildung sind uns sehr wichtig, deshalb reflektieren und diskutieren wir in verschiedenen nationalen und europäischen Netzwerken sowie auf Tagungen regelmäßig unsere Erfahrungen und sorgen so für einen Informationsfluss zwischen den Institutionen, die mit Handwerksausbildung und Frauenförderung zu tun haben. Hier sind insbesondere das Bundesinstitut für Berufsbildung, die Berliner Elektroinnung, das Energietechnische Zentrum in Stuttgart, Kenteq in den Niederlanden (Technologisches Kompetenzzentrum im Handwerk) zu nennen. Darüber hinaus ist das Projekt aktiv im Fachausschuss für Aus- und Weiterbildung (FAAW) der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) tätig, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Weiterbildung in Solartechnik im Handwerk zu verbessern. Projekteverbund

Das Projekt StrOHMerin ist Teil des Projekteverbundes LIFE-LiSA-AKC, der sich im Januar 2005 gegründet hat, um berufliche Bildung und zukunftsfähige Ausbildung für junge Frauen im Handwerk zu fördern, zu erhalten und weiter auszubauen. Neben den Ausbildungen zur Elektronikerin, Bootsbauerin, Holzbearbeiterin, Modenäherin und Goldschmiedin, sind fachübergreifende Schwerpunkte die Vermittlung von Gender- und Medienkompetenzen, nachhaltigem Wirtschaften und Umweltschutz.

StrOHMerin - Offizielles Projekt der Dekade der Vereinten Nationen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014

Logo UN-DekadeIm September 2005 wurde das Projekt StrOHMerin für die konsequente und umfassende Integration von Nachhaltigkeitsbildung in die Erstausbildung als offizielles Dekadeprojekt ausgezeichnet.

Dr. Barbara Schöler-Macher und Maria Roos von LIFE e.V. nahmen den Preis auf der bundesweiten Fachtagung "Nachhaltigkeit in Berufsbildung und Arbeit" entgegen. Die Preisverleihung in der traditionsreichen Stadthalle von Bad Godesberg wurde moderiert von Dr. Roland Bernecker, Deutsche UNESCO-Kommission, Peter Munk, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Ulrich Witte, Deutsche Bundesstiftung Umwelt und Prof. Dr. Reinhold Weiß, Bundesinstitut für Berufsbildung.

UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung"

Die globale Vision der Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" der Vereinten Nationen ist es, allen Menschen Bildungschancen zu eröffnen, die es ermöglichen, sich Wissen und Werte anzueignen sowie Verhaltensweisen und Lebensstile zu erlernen, die für eine lebenswerte Zukunft und eine positive gesellschaftliche Veränderung erforderlich sind. Dazu bedarf es einer umfassenden, globalen Bildungsinitiative und der Vernetzung der Akteure. Bildung für nachhaltige Entwicklung betrifft Kommunen, Verbände, Vereine, Betriebe und Familien, sie bereichert jeden Einzelnen und eröffnet wertvolle Zukunftschancen. Für die Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung bedarf es der Veränderung von Einstellungen, Denkstilen und Verhaltensweisen der gesamten Bevölkerung und einer Neuausrichtung zukunftsorientierter Entscheidungen in den relevanten politischen Institutionen. Ziel der Auszeichnung ist es, im Rahmen der UN-Dekade herausragende Projekte zu würdigen und anzuerkennen und sie in ganz Deutschland sichtbar zu machen.

StrOHMerin - Integration von Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung seit 1997

StrOHMerin wurde aufgrund der langjährigen intensiven Integration von Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung als Dekadeprojekt ausgewählt. Das Projekt StrOHMerin verfolgt, neben seinem Engagement für die Erhöhung des Frauenanteils in diesem Berufsfeld, als einziges Ausbildungsprojekt in der Bundesrepublik das Ziel, den Auszubildenden - nicht nur in Kurzprojekten und besonderen Einzelaktionen sondern als integriertes Prinzip über die gesamte Ausbildungszeit - die Gedanken der nachhaltigen Entwicklung nahe zu bringen.

Die bearbeiteten Themen sind dabei so vielseitig wie der Beruf: Von Ressourcenverbrauch über Recycling bis hin zur nachhaltigen Energietechnik. Die jungen Frauen erhalten darüber hinaus im Rahmen der Ausbildung das Zertifikat "Solarteurin - Teilprüfung Photovoltaik". Dieser integrierte Ansatz macht das Projekt StrOHMerin so einzigartig.

Ansprechpartnerin


Finanzierung

Logo: Land Berlin, Europäischer Sozialfonds

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